Wann ist das Trockenbausystem im Altbau die beste Wahl?
Ideale Einsatzbereiche im Altbau
- →Holzbalkendecke: Nassestrich statisch nicht möglich → Trockenbausystem Pflicht
- →Bewohnte Sanierung: Trockenestrich nach 24–72 h begehbar, kein Warten auf Estrichtrocknung
- →Fachwerk / Denkmalschutz: keine Baufeuchte, kein Einbringen von Nassestrich notwendig
- →Dachgeschossausbau: Systemgewicht 25–37 kg/m² statt 100–120 kg/m² (Nassestrich)
- →Altbau mit Wärmepumpe: Vorlauf 30–45 °C, kein Hochtemperatur-Heizkessel erforderlich
Wann Nassestrich-Systeme besser passen
- →Altbau auf Massivdecke mit ausreichend Aufbauhöhe: Tackersystem günstiger (ab 8 €/m² Material)
- →Sehr geringe Aufbauhöhe (< 40 mm): Dünnschichtsystem mit Wärmeleitblechen prüfen
- →Neubauprojekt mit unbegrenzter Aufbauhöhe: Nassestrich-Tacker wirtschaftlicher
Altbau-Sanierung mit Trockenbausystem: 6 Schritte
Schritt 1: Untergrund und Statik analysieren: Holzbalkendecke: Balkenabstände messen, Durchbiegung prüfen (max. L/300). Alle Dielen fest verschrauben, lose Bretter ersetzen. Holzfeuchte messen: ≤ 15 % (Messgerät nutzen). Betonuntergrund: Ebenheit nach DIN 18202 prüfen (max. 5 mm/2 m für Trockenbauaufbau). Statische Traglast: Trockenbausystem wiegt 25–37 kg/m² — i. d. R. unkritisch für Holzbalken, die für 150–200 kg/m² ausgelegt sind.
Schritt 2: Systemvariante wählen: EPS 300 Systemplatte (14,92 €/m²): Standard für Betonböden und Massivdecken, leicht (0,5 kg/m²), λ = 0,032 W/mK, Druckfestigkeit 300 kPa. Holzfaser-Systemplatte (22,64 €/m²): ideal für Holzbalkendecken — integrierter Trittschallschutz bis 56 dB, Druckfestigkeit 140 kPa (für normale Wohnlasten ausreichend), ökologisch nachwachsend. In Mehrfamilienhäusern mit Schallschutzanforderungen (DIN 4109) immer Holzfaser wählen.
Schritt 3: Aufbauhöhe planen: Gesamtaufbauhöhe des Trockenbausystems: Wärmedämmung (z. B. 40 mm EPS DEO) + Systemplatte 25 mm + Trockenestrichelement 25 mm = ab 90 mm. Bei knapper Aufbauhöhe: Dämmdicke reduzieren (Mindest-R-Wert beachten), ggf. Türrahmen nacharbeiten. Randdämmstreifen anbringen: mind. 5 mm, Höhe bis Oberkante Fertigboden. Türen und Zargen auf neue Bodenhöhe prüfen — ggf. kürzen.
Schritt 4: Systemplatten und Rohr verlegen: Wärmedämmung (EPS DEO ≥ 100 kPa) verlegen, PE-Folie (0,2 mm) bei Feuchtigkeitsrisiko auflegen. Systemplatten mit Flexkleber verkleben, schleppender Verband (Fugenversatz mind. 200 mm). Wärmeleitbleche einsetzen (4,5 Stk./m² bei 150-mm-Abstand). PE-RT-ALU-PERT Verbundrohr 16×2 mm in die Kanäle einlegen. Max. Rohrlänge pro Heizkreis: 90–100 m. Dichtheitsprüfung: 6 bar, 24 Stunden, protokollieren.
Schritt 5: Trockenestrich verlegen: PE-Trennfolie auflegen. Fermacell 2E22 Elemente (2×12,5 mm) verlegen und verleimen, Fugenversatz mind. 200 mm, 10 Schrauben/m². Rohllage vor dem Verschrauben markieren — kritisch! Innerhalb von 24–72 h begehbar. Kein Warten auf Estrichtrocknung (Nassestrich: 7–21 Tage Trocknungszeit). Bei bewohnten Altbauten: Raumweise arbeiten, Übergangsprofil zur bewohnten Fläche setzen.
Schritt 6: Erstinbetriebnahme: Aufheizprotokoll nach DIN EN 1264-4: Start 25 °C Vorlauf, täglich +5 °C steigern. Altbau-Wärmepumpe: Vorlauf 30–45 °C ausreichend für Niedertemperatur-Flächenheizung. Hydraulischen Abgleich durchführen — bei Altbau-Renovierung oft mehrere Heizkreise mit unterschiedlichen Rohrlängen. Protokoll aufbewahren. Bodenbelag aufbringen: alle Beläge mit max. Wärmewiderstand 0,15 m²K/W geeignet.
Häufige Fragen: Trockenbausystem im Altbau
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