Verlegemuster im Noppensystem: Was gibt es und wann passt was?
Das Noppensystem NerthusFlow bietet im Vergleich zu anderen Nassestrich-Systemen eine besondere Flexibilität: Neben dem klassischen Mäandermuster und der Schneckenverlegung erlaubt die Noppenfolie auch eine diagonale Rohrführung unter 45°. Das ist in der Praxis selten, aber für unregelmäßige Grundrisse und Sonderbereiche wie Erker oder dreieckige Raumformen nützlich. Der Rohrabstand kann bei der NerthusFlow-Folie in Schritten von ca. 5 cm frei gewählt werden — weder ein vorgegebenes Raster noch Tackernadel-Positionen schränken ein.
Planungswerkzeug & Voraussetzungen
Planungsmaterial
- →Grundrisszeichnung mit Raummaßen (Maßstab 1:50 oder 1:100)
- →Taschenrechner für Rohrlängenberechnung (Fläche × m/m² + 10 % Verschnitt)
- →Kreidemarkierung oder Sprühfarbe für Verlegeachsen auf dem Untergrund
- →Maßband für Rohrabstandskontrolle
Voraussetzungen vor dem Verlegen
- →Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 für alle Räume vorhanden
- →Rohrabstand je Raum festgelegt (10 cm für Randzonen/Bäder, 15 cm Standard, 20 cm gut gedämmte Neubauten)
- →Verteilerposition fixiert (mind. 20 cm Abstand zur nächsten Wand)
- →Maximale Kreislänge pro Heizkreis bestimmt (16-mm-Rohr: max. 120 m, 14-mm-Rohr: max. 100 m)
Rohrabstand und Heizleistung: Wie wähle ich richtig?
Noppensystem Verlegen: 6 Planungsschritte
Verlegemuster festlegen: Mäander oder Schnecke?: Das Mäandermuster (Bifilar/Parallel) ist das einfachste Verlegemuster: Das Rohr wird in parallelen Bahnen von einer Raumseite zur anderen geführt. Nachteil: Die erste Bahn führt den wärmsten Vorlauf, die letzte Bahn den kühlsten Rücklauf — messbare Temperaturunterschiede im Boden. Das Schneckenmuster (Spirale) führt Vorlauf und Rücklauf abwechselnd nebeneinander: gleichmäßigere Bodentemperatur, aber etwas aufwändigere Verlegung. Empfehlung: Schnecke für Wohnräume, Mäander für Nebenräume.
Randzonen mit engerem Rohrabstand planen: An Außenwänden, Fensterfronten und in Bädern liegt die Heizlast höher als in der Raummitte. Planen Sie in einem ca. 0,5–1 m breiten Randstreifen einen engeren Rohrabstand: 10 cm statt 15 cm. Die Noppenfolie NerthusFlow erlaubt beliebige Abstände in 5-cm-Schritten, da das Rohr frei in die Noppen eingedrückt wird. Tragen Sie die Randzone im Verlegeplan gesondert aus.
Diagonalverlegung bei der NerthusFlow-Folie: Die NerthusFlow-Noppenfolie erlaubt als einziges Nassestrich-System auch die diagonale Rohrführung. Das Rohr wird dabei unter 45° zur Raumachse in die Noppen eingedrückt. Das ist praktisch für: Räume mit schrägen Wänden, Treppen-Unterbereiche, Erker, Badezimmer mit schräg verlaufenden Sanitärpositionen. Bei der Diagonalverlegung beträgt der tatsächliche Rohrabstand im Raum das Rastermaß × √2 — bei 15-cm-Noppenraster also ca. 21 cm Diagonalabstand. Bei Bedarf engeres Raster wählen.
Heizkreise aufteilen und Längen berechnen: Jeder Heizkreis wird separat vom Verteiler geführt und zurückgeführt. Faustregel: Max. 120 m pro Kreislauf bei 16-mm-Rohr (ca. 18 m² bei 15 cm Abstand). Für 50 m² benötigen Sie also mind. 3 Heizkreise bei 16-mm-Rohr. Rohrlänge berechnen: Fläche [m²] × Rohrabstand-Faktor [m/m²] × 1,1 (Verschnitt) + 2 × Verbindungslänge zum Verteiler. Alle Kreise möglichst gleich lang dimensionieren für einfacheren hydraulischen Abgleich.
Verlegeplan auf dem Untergrund markieren: Tragen Sie Verteilerposition, Kreisaufteilung und Verlegemuster mit Kreidesprühfarbe auf den Untergrund auf — vor dem Auslegen der Noppenfolie. Markieren Sie Startreihe und Kehren des Mäanders, oder den Mittelpunkt und die Spiralrichtung der Schnecke. Bei der Diagonalverlegung: Diagonalachse mit Schnurklammer markieren. Die Markierungen helfen beim Eindrücken des Rohrs, die geplanten Abstände einzuhalten.
Rohr eindrücken und Kreislänge dokumentieren: Beim Eindrücken des Rohrs in die Noppen: Immer von einer Seite zur anderen arbeiten, nie das Rohr spannen. Bei der Schneckenverlegung: Von innen nach außen oder von außen nach innen spiralförmig führen. Jeden abgeschlossenen Heizkreis sofort mit Raumbezeichnung und Länge in Metern beschriften (Etikett am Verteiler oder Fotoprotokoll). Vor dem Estrich alle Kreise nochmals messen — die tatsächliche Länge für den hydraulischen Abgleich notieren.
Hydraulischer Abgleich nach DIN EN 1264-4
Nach GEG 2024 ist der hydraulische Abgleich Pflicht. Geben Sie dem Heizungsbauer alle Kreislängen und Rohrabstände — er kann dann die Durchflussmengen am Verteiler exakt einstellen. Ungleichmäßige Kreislängen (Abweichung >30 %) erschweren den Abgleich und erhöhen den Pumpenstrom.
Häufige Fragen zu Verlegemustern
Die Schneckenverlegung (Spirale) verteilt die Wärme gleichmäßiger im Raum, weil Vorlauf (warm) und Rücklauf (kühler) abwechselnd nebeneinanderliegen. Das Mäandermuster ist einfacher zu verlegen, hat aber sichtbare Temperaturzonen. Für Wohnräume wird die Schnecke empfohlen, für Nebenräume und Bäder ist der Mäander ausreichend.
Ja, die NerthusFlow-Noppenfolie ist explizit für Diagonalverlegung freigegeben. Das Rohr rastet unter 45° in die Noppen ein. Das ist ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber klassischen Tackersystemen oder EPS-Platten, bei denen Diagonalverlegung nicht vorgesehen ist. Wichtig: Den effektiven Rohrabstand bei 45°-Verlegung neu berechnen.
Bei 16-mm-Rohr und 15 cm Rohrabstand: Je Kreislauf max. 120 m Rohr = ca. 18 m² Fläche. Für 100 m² also mind. 6 Heizkreise. Bei 14-mm-Rohr: max. 100 m = ca. 15 m² pro Kreis, für 100 m² mind. 7 Kreise. Planen Sie lieber einen Kreis mehr — zu kurze Kreise sind besser als zu lange.
In Randzonen (0,5–1 m breiter Streifen entlang Außenwänden, Fensterfronten) empfehlen sich 10 cm Rohrabstand. Das erhöht die Heizleistung in der kälteren Randzone auf ca. 100–120 W/m². In der Raummitte reichen bei modernen Neubauten (KfW 55) 15–20 cm. Bei älteren Bauten (vor 2000) überall 10–15 cm planen.
Beide Begriffe beschreiben das gleiche Verlegemuster: Das Rohr wird in Schleifen (Bahnen) verlegt. 'Mäander' betont die parallele Führung, 'bifilar' den Doppelweg (Vor- und Rücklauf in benachbarten Bahnen). Im Unterschied zur Schnecke sind beim Mäander alle Vorlaufbahnen auf einer Seite des Raums — daher die Temperaturunterschiede.