Fußbodenheizung im Altbau nachrüsten: Warum das Dünnschichtsystem funktioniert
Das größte Problem bei der Altbau-Sanierung ist die Aufbauhöhe. Ein klassisches Nassestrich-System (Tackerplatte + Nassestrich) benötigt 65–80 mm Aufbau – das bedeutet: alle Türen kürzen, Treppenstufen angleichen, Bodenschwellen neu setzen, Fensterbänke erhöhen. In einem typischen Altbau mit niedrigen Räumen oder denkmalgeschützten Türen ist das schlicht nicht möglich. Das Dünnschichtsystem löst dieses Problem fundamental: Die selbstklebende NerthusFlow Noppenfolie haftet direkt auf dem Bestandsboden – egal ob Zementestrich, alte Fliesen oder Holzdielen. Das PE-RT Heizrohr clipst ohne Werkzeug in die Noppen ein. Kerakoll Planogel Rheo wird als selbstverlaufender Fließestrich mit nur 5 mm Überdeckung über das Rohr gegossen. Ergebnis: 17–22 mm Gesamtaufbau. Türen bleiben unverändert. Fensteranschläge bleiben unverändert. Kein Rückbau, kein Stemmen.
Der Systemaufbau im Detail: Was genau verbaut wird
Das Dünnschichtsystem NerthusFlow besteht aus drei aufeinander abgestimmten Komponenten: NerthusFlow Noppenfolie (10–16 mm): Selbstklebende PE-Folie mit Noppen, in die das Heizrohr werkzeuglos eingeclipst wird. Drei Varianten: NP12 (10 mm, für 12 mm Rohr), NP14 (14 mm, für 14 mm Rohr), NP16 (16 mm, für 16 mm Rohr). Haftet dauerhaft auf Zement, Fliesen, Holz und Estrich. PE-RT EVOH Heizrohr (Ø 12–16 mm): Sauerstoffdiffusionsdichtes Mehrschicht-Verbundrohr. Lebensdauer 50+ Jahre. Maximale Betriebstemperatur 60 °C – ideal für Wärmepumpen (30–40 °C Vorlauf) und Brennwertkessel. Kerakoll Planogel Rheo: Selbstverlaufender CAF-Fließestrich speziell für Dünnschichtsysteme. Mindestüberdeckung: 5 mm über dem Rohrscheitel. Belegreif nach 3–12 Stunden – statt 21–28 Tage bei klassischem Nassestrich. DIN EN 13813 CT C30-F7 zertifiziert.
Für welche Altbau-Situationen ist das Dünnschichtsystem geeignet?
Betonboden / Zementestrich (EG und OG): Nassbau-Variante – direktes Kleben der Noppenfolie, Verguss mit Planogel Rheo. Optimale Wärmespeicherung, DIN 18560 konform. Alte Fliesen (fest sitzend, kein Hohlklang): Folie klebt direkt auf Fliesen – kein Rückbau nötig. Erst abklopfen und festhaftende Bereiche neu verkleben. Holzbalkendecken (typisch Gründerzeit vor 1930): Trockenbau-Variante mit ArdusAlu Wärmeleitplatten – kein Nassestrich, kein Feuchterisiko, keine Mehrbelastung durch Estrichgewicht. Unbeheizte Garage oder Keller darunter: GEG-Dämmungspflicht gilt – Vakuumdämmplatte (VIP, 25 mm) oder Standard-Dämmplatte (90 mm WLG 045) unterlegen. Beheizter Keller darunter: Keine Dämmungspflicht nach GEG – Dünnschicht direkt auf Bestand möglich.
Voraussetzungen: Untergrund, Material & was bleibt erhalten?
Benötigtes Material
- →Noppenfolie (NP12/14/16) – selbstklebend auf Bestandsboden
- →PE-RT Heizrohr Ø 12–16 mm passend zur Folie
- →Kerakoll Planogel Rheo – selbstverlaufend, min. 5 mm über Rohr
- →Armierter Randdämmstreifen (selbstklebend, mind. 50 mm)
- →Trockenbau-Option: ArdusAlu Wärmeleitplatten (für Holzbalkendecken)
- →Heizkreisverteiler, Druckmanometer, Stachelwalze, 2 m Richtlatte
- →Ausgleichsmasse (bei Unebenheiten > 3 mm), Feuchtemessgerät
Was bleibt, was wird neu?
- →Bestandsestrich bleibt: Noppenfolie klebt direkt drauf – kein Rückbau
- →Fliesen bleiben: Dünnschichtsystem auf Fliesen klebbar (fest + kein Hohlklang)
- →Holzbalkendecke: Trockenbau-Variante mit ArdusAlu wählen (kein nasser Estrich)
- →Heizsystem: kompatibel mit 30–40 °C Vorlauf – ideal für Wärmepumpe & Brennwert
- →Heizkreisverteiler: neuen Standort einplanen (Wandnische oder UP-Kasten)
- →Türunterschnitt prüfen: mind. 22 mm für NP12, 27 mm für NP16 (Folie + Estrich)
Nassbau oder Trockenbau – der richtige Systemvergleich für Ihren Altbau
- →Nassbau (Noppenfolie + Estrich): Noppenfolie + PE-RT Rohr + Planogel Rheo – Aufbau 17–22 mm, ideal für Beton- und Estrichböden, optimale Wärmespeicherung, DIN 18560
- →Trockenbau (ArdusAlu): Rohr in Wärmeleitplatten ohne Estrich – sofort begehbar, kein Feuchterisiko, ideal für Holzbalkendecken und zeitkritische Projekte
- →Entscheidungshilfe: Betonboden → Nassbau. Holzbalken oder kein Nassestrich möglich → Trockenbau. Beide: max. 35–45 °C Vorlauf, WP-kompatibel
- →Kosten Materialien: Dünnschichtsystem Nassbau ab 10,53 €/m² (Folie + Rohr) + Planogel Rheo ca. 35 €/m². Trockenbau ArdusAlu ca. 28–45 €/m² – kein Estrich nötig
NerthusFlow Dünnschichtsystem bei der Altbausanierung: Noppenfolie selbstklebend auf Bestandsestrich, Heizrohr eingeclipst, bereit für Planogel Rheo Verguss.
Sanierungsablauf: 5 Phasen von der Planung bis zum Bodenbelag
Phase 1 – Planung & Untergrundprüfung: Türunterschnitt messen und Variante wählen (Nassbau/Trockenbau). Untergrund auf Ebenheit (≤ 3 mm/2 m) und Tragfähigkeit prüfen. Heizkreisverteiler-Standort bestimmen. Bedarfsberechnung: Rohrmenge, Estrichbedarf (ca. 18 kg/m² für 5 mm), Verteiler-Größe nach Raumanzahl. MC Therm berechnet kostenlos auf Basis Ihres Grundrisses.
Phase 2 – Systemeinbau: Randdämmstreifen anbringen, Noppenfolie selbstklebend verlegen oder ArdusAlu-Platten einlegen, Heizrohr einclipsen, Druckprüfung (4 bar, 24 h). Die vollständige Schritt-für-Schritt-Anleitung mit Zeitangaben, Profi-Tipps und Hinweisen zu Rohrverlegemustern finden Sie in unserer → Montageanleitung.
Phase 3 – Estrich eingießen & aushärten lassen: Nassbau: Planogel Rheo mit Mischpumpe ansetzen und gleichmäßig eingießen. Min. 5 mm Überdeckung über dem Rohrscheitel. Sofort mit Stachelwalze (Entlüftungsrolle) überrollen, um Lufteinschlüsse zu entfernen. Selbstverlaufend – kein Glätten nötig. Begehbar nach 24 h (leicht), Bodenbelag nach 4–12 h. Achtung: Kein Heizen in den ersten 28 Tagen. Trockenbau: direkt zum nächsten Schritt – kein Estrich erforderlich.
Phase 4 – Verteiler, Thermostate & hydraulischer Abgleich: Heizkreisverteiler an geplanter Position montieren (Wandnische oder UP-Kasten, ca. 30 × 60 cm Bedarf). Alle Kreise anschließen, System befüllen, vollständig entlüften. Hydraulischen Abgleich durchführen – seit 01.10.2024 gesetzliche Pflicht nach GEG §60a. Bei Wärmepumpe: Verfahren B erforderlich. Thermostate für Einzelraumregelung montieren (Kabel, WiFi oder Z-Wave). Probeheizen auf 25 °C Vorlauf, 3 Tage stabil halten. Kosten Fachbetrieb: ca. €600–1.000 für Abgleich und Inbetriebnahme.
Phase 5 – Aufheizprotokoll & Bodenbelag verlegen: Aufheizprotokoll nach DIN 18560 starten: Vorlauf täglich um 5 °C erhöhen (von 25 °C bis Betriebstemperatur), Protokoll dokumentieren (Pflicht für Gewährleistung). Danach Bodenbelag: Fliesen/Naturstein (beste Wärmeübertragung, λ-Wert ≥ 1,0 W/mK), Vinyl/LVT (einfachste Montage), Fertigparkett (12 h nach Verguss, für FBH zugelassen, max. 0,15 m²K/W Wärmedurchlasswiderstand). Gesamtprojektdauer: 5–7 Wochen Nassbau, 1–2 Wochen Trockenbau.
Häufige Fragen: FBH nachrüsten im Altbau
Beim Nassbau (Noppenfolie + Planogel Rheo) sind es 17–22 mm Gesamtaufbau: 10 mm Noppenfolie + 14er bzw. 16er Rohr + 5 mm Estrich über dem Rohr. Beim Trockenbau (ArdusAlu Platten) reichen 22–30 mm. Beide Varianten ermöglichen in der Regel den Erhalt vorhandener Türzargen und Fensteranschläge – anders als klassische Nassestrich-Systeme mit 65+ mm.
Ja – das Dünnschichtsystem ist vollständig wärmepumpenkompatibel. Vorlauftemperaturen von 30–40 °C sind ausreichend; Wärmepumpen arbeiten in diesem Bereich mit COP-Werten von 4–5. Fußbodenheizung und Wärmepumpe sind die optimale Kombination, weil die große Fläche niedrige Temperaturen effizient in Wärme umwandelt. Alle NerthusFlow-Systeme sind für diesen Betrieb ausgelegt.
Dünnschichtsystem (Nassbau): Noppenfolie + Heizrohr + Planogel Rheo CAF-Fließestrich. Ideal für Beton- und Estrichuntergründe. Belegreif nach 7 Tagen. Ab 17 mm Aufbauhöhe. Günstigste Altbau-Lösung ab ca. 50 €/m² gesamt.
Trockenbau (ArdusAlu): Trockenestrich-Systemplatten mit gefrästen Kanälen, Wärmeleitbleche aus Aluminium. Kein nasser Estrich, sofort begehbar, ideal für Holzbalkendecken und tragkritische Böden. Ab 22 mm Aufbauhöhe. Ca. 60–80 €/m².
Beide Varianten werden als Komplettset geliefert und können miteinander kombiniert werden (z.B. Nassbau im EG, Trockenbau im OG mit Holzbalkendecke).
Das Dünnschichtsystem eignet sich unter nahezu allen Bodenbelägen:
✓ Fliesen & Naturstein – nach 4 Stunden Trocknungszeit (Planogel Rheo) verlegbar
✓ Vinyl & Designbelag – nach 12 Stunden verlegbar
✓ Parkett (Fertigparkett) – nach 12 Stunden, mit Trennfolie; Massivparkett nicht geeignet
✓ Teppich – möglich, reduziert jedoch die Heizleistung
Wichtig: Ein niedriger Wärmedurchlasswiderstand des Bodenbelags (≤ 0,15 m²K/W gemäß EN 1264) ist Voraussetzung für optimale Heizleistung.
Nur wenn der Bodenaufbau über Erdreich oder unbeheiztem Außenbereich (z.B. Bodenplatte Erdgeschoss) neu errichtet wird – dann schreibt das GEG U ≤ 0,50 W/m²K vor (~90 mm WLG 045). Bei Aufbau über einem beheizten Keller entfällt diese Pflicht. Bei sehr niedrigen Räumen sind Vakuumdämmplatten (VIP) mit 20–30 mm möglich – gleicher Dämmwert wie 10–15 cm Standardmaterial. Wenn Sie unsicher sind: MC Therm berät kostenlos zu Ihrer spezifischen Situation.
Bei Massivdecken aus Beton oder Hohlziegel ist die Zusatzlast von 30���50 kg/m² (Dünnschicht + Planogel Rheo) in der Regel unkritisch – kein Statiker nötig. Bei Holzbalkendecken (typisch in Gründerzeitbauten vor 1930) sollte die Tragfähigkeit von einem Statiker bestätigt werden, bevor Material bestellt wird. Besonders wenn zusätzlich eine Trittschalldämmung oder VIP-Dämmung eingeplant ist (Gesamtlast dann 60–80 kg/m²). Die Statikprüfung kostet ca. ���200–500 und ist im Zweifelsfall gut investiertes Geld.
Ja – nach §559 BGB als Modernisierungsmieterhöhung. Jährlich können bis zu 8 % der Modernisierungskosten (anteilig auf die Wohneinheit) auf die Miete umgelegt werden. Kappungsgrenze: Die Miete darf innerhalb von 6 Jahren um nicht mehr als €3/m² steigen (€2/m² in Gebieten mit angespanntem Wohnungsmarkt). Mieter müssen die Maßnahme dulden, können aber bei unzumutbarer Härte Einspruch erheben. Ankündigung 3 Monate vorab per Modernisierungsankündigung erforderlich.
Nicht ohne ausdrückliche schriftliche Zustimmung des Vermieters. Der Einbau gilt als bauliche Veränderung der Mietsache. Viele Vermieter stimmen zu, wenn der Mieter sich verpflichtet, beim Auszug den Originalzustand wiederherzustellen – oder die Installation als werterhöhende Maßnahme im Gebäude zu belassen. Ohne Erlaubnis: Pflicht zur Rückbauverpflichtung und ggf. Schadensersatz. Tipp: Schriftliche Vereinbarung mit dem Vermieter treffen, bevor bestellt wird.
Dünnschichtsystem – Produkte für die Altbausanierung


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