Berechnung & Planung 2026

Heizkreise berechnen: Wieviele Kreise für meine Fußbodenheizung? (2026)

Wieviele Heizkreise brauche ich wirklich? Dieser Ratgeber erklärt die Berechnung nach Raumgröße, Rohrabstand und Heizlast — mit Tabellen für EFH, ETW und Altbau. Inkl. GModG § 61 Anforderungen zur Einzelraumregelung.

⏱ 8 Min. Lesezeit
Kreistabelle für alle Raumgrößen
GModG § 61 Einzelraumregelung

Grundlagen: Warum die Kreisanzahl entscheidend ist

Werkzeug & Hilfsmittel

  • Rohrzange oder Wasserpumpenzange (für G 1"-Anschlüsse)
  • PTFE-Dichtband (Gewindedichtband, min. 12 Lagen)
  • Handdruckpumpe für Druckprüfung (0–6 bar, Manometer integriert)
  • Entlüftungsschlüssel oder Flachschraubendreher für Entlüftungsventile
  • Wasserwaage (für horizontale Ausrichtung des Verteilers)
  • Dübel & Schrauben (M6, für Verteilerkasten-Wandmontage)

Das müssen Sie vor der Berechnung wissen

  • Verteilerposition festlegen: max. 20 m vom Heizkessel/WP, zentral zu allen Heizkreisen — minimiert Rohrlängen und Druckverlust
  • Vorlauffühler im Zuleitungsrohr vorhanden oder geplant? (für Kesselregelung Pflicht)
  • Alle Fußbodenheizungsrohre verlegt und zugänglich? Erst nach Estrich-Verlegung und Trocknungsphase montieren
  • Wandnische für Unterputz-Kasten ausgestemmt oder Wandfläche für AP-Montage freigelegt
  • Strom 230V in Reichweite für Stellantriebe und Raumthermostat-Kabel (wenn gewünscht)

Kreise berechnen: Tabellen, Formeln und Gebäudetypen

Wieviele Heizkreise brauche ich für meine Fußbodenheizung? Diese Frage stellt sich bei jedem Neubau und jeder Sanierung. Zu wenig Kreise bedeuten ungleichmäßige Erwärmung; zu viele sind unnötiger Aufwand. Die richtige Kreiszahl hängt von Rohrabstand, Raumgröße und Heizlast ab.

8–16 m²Richtwert pro Heizkreis
(15 cm Rohrabstand)
max. 120 mMaximale Kreislänge
PE-RT Ø 16 mm
≤ 10 %Längenunterschied
zwischen Kreisen

Kreisanzahl nach Raumgröße: Die Praxistabelle

RaumgrößeRohrabstand 10 cmRohrabstand 15 cmRohrabstand 20 cm
bis 10 m²1 Kreis1 Kreis1 Kreis
10–16 m²1 Kreis1 Kreis 1 Kreis
16–24 m²2 Kreise1–2 Kreise 1 Kreis
24–35 m² (Wohnzimmer)3 Kreise2 Kreise 1–2 Kreise
35–50 m²4–5 Kreise3 Kreise2 Kreise
50–80 m²6–7 Kreise4–5 Kreise3 Kreise

Hinweis: Bei Randzonen (Außenwände, Glasfronten) empfiehlt sich ein engerer Rohrabstand (10 cm) — dies erhöht die Kreisanzahl. Nassräume (Bad, WC) immer als eigenen Kreis planen.

Kreislänge und Kreisanzahl berechnen: Die Formeln

Schritt-für-Schritt Berechnung
1. Rohrlänge je Kreis:
L_Rohr [m] = (Raumfläche [m²] ÷ Rohrabstand [m]) + 2 × Zuleitungslänge [m]
2. Kreisanzahl:
n_Kreise = AUFRUNDEN(L_Rohr gesamt ÷ 120)
3. Kreise je Raum:
n = AUFRUNDEN(Raumfläche ÷ Fläche_je_Kreis)
Faustregel: Kein Kreis länger als 120 m (PE-RT Ø 16 mm) wegen Druckverlust. Bei Ø 20 mm bis 150 m möglich — aber mehr Pumpenleistung nötig.

Einflussfaktoren auf die Kreiszahl

FaktorWirkung auf KreisanzahlEmpfehlung
Rohrabstand10 cm → doppelt so viele Meter → mehr Kreise nötig15 cm Standard, 10 cm bei Randzonen
Deckenaufbau (Estrich/Trocken)Trocken: max. 100 m empfohlen; Estrich: bis 120 mJe Einbausystem prüfen
WärmequelleWP: engerer Abstand für mehr Fläche → niedrigere VL-Temp.10–15 cm bei WP-Anlage
RaumaufteilungJeder Raum idealerweise eigener Kreis (Einzelraumregelung)GModG § 61 Einzelraumregelung
GebäudetypEFH: meist 5–10 Kreise; ETW: 2–5 Kreise; MFH: je Etage 6–12Heizlastberechnung DIN EN 12831

Verteilergrößen-Empfehlung für typische DACH-Gebäudetypen

EFH 120–140 m² (Neubau)

Typisch 7–9 Kreise. Empfehlung: 8-Kreis-Verteiler. 1 Kreis je Raum (Wohnzimmer evtl. 2), Rohrabstand 15 cm, PE-RT 16 mm.

ETW 60–80 m²

Typisch 4–6 Kreise. Empfehlung: 4- oder 6-Kreis-Verteiler. Bad, WC, Küche, Wohnen, Schlafen je eigener Kreis.

Altbau-Sanierung (Dünnschicht)

Rohrabstand 10 cm wegen flachem Aufbau → mehr Kreise. Für 80 m²: 6–8 Kreise. Rohrlänge je Kreis max. 80 m bei Ø 14 mm.

Wärmepumpe (DACH)

Engerer Rohrabstand (10 cm) für maximale Heizfläche → niedrigere Vorlauftemperatur → höherer COP. Mehr Kreise einplanen.

GModG § 61 — Einzelraumregelung als Pflicht für neue Anlagen
  • § 61 GModG (vorher § 61 GEG): Jeder Raum muss einzeln regelbar sein
  • Lösung: Ein Heizkreis je Raum + Thermostat = GModG-konform
  • Mehrere Kreise in einem Raum ohne separate Regelung: GModG-Verstoß
  • Ausnahme: Räume unter 6 m² dürfen gemeinsam geregelt werden
  • In Österreich gilt ÖNORM B 8130, in der Schweiz SIA 382 sinngemäß
  • Schritt 1: Verteilerkasten in Wandnische einpassen, waagerecht ausrichten und mit Dübeln befestigen
  • Schritt 2: Kugelhähne (Vorlauf oben / Rücklauf unten) mit PTFE-Dichtband an Verteiler anschrauben
  • Schritt 3: Verteiler in den Kasten einsetzen, Halterungen einrasten lassen
  • Schritt 4: FBH-Rohre (Vor- und Rücklauf) der Reihe nach an die Verteileranschlüsse anschließen — Kreise beschriften!
  • Schritt 5: System über den Kugelhahn langsam mit Wasser befüllen, alle Kreise einzeln entlüften
  • Schritt 6: Druckprüfung mit Handdruckpumpe auf 6 bar für 30 Minuten durchführen — kein Druckabfall = dicht
  • Schritt 7: Stellantriebe (E30NC-230) auf alle Verteilerabgänge aufschrauben, Kabel zu Raumthermostaten verlegen
  • Schritt 8: Flowmeter auf Richtwert einstellen (0,5–2,5 l/min pro Kreis je nach Raumgröße) und Heizung in Betrieb nehmen

Achtung – Fachmann empfohlen

Gewindeanschlüsse ohne ausreichend PTFE-Dichtband (mind. 12 Lagen) führen zu schleichenden Undichtigkeiten — besonders an G 1"-Gewindeanschlüssen.

Achtung – Fachmann empfohlen

Druckprüfung auf 6 bar MUSS vor dem Schließen der Wandnische oder vor dem Einputzen durchgeführt werden — nachträgliche Reparaturen sind aufwändig.

Häufige Fragen zur Heizkreisverteiler-Montage

Die Montage des Verteilers selbst (mechanische Installation) ist handwerklich ohne Meisterpflicht zulässig. Der Anschluss an die Heizungsanlage (Kesselseitig) sollte von einem Heizungsbauer durchgeführt werden, wenn keine Fachkunde vorhanden ist — insbesondere bei Wärmepumpen. Die Druckprüfung können Sie selbst dokumentieren. GEG § 60 (Hydraulischer Abgleich) erfordert keinen Fachbetrieb, muss aber protokolliert werden.
Erfahrene Heimwerker benötigen ca. 2–3 Stunden für einen 4–6-Kreis-Verteiler inklusive Entlüftung und Druckprüfung. Erstmontage ohne Vorkenntnisse: 4–5 Stunden. Zeitintensivster Schritt: FBH-Rohre den richtigen Kreisen zuordnen und beschriften (30–45 Min.). Ein professioneller Heizungsbauer benötigt ca. 1,5–2 Stunden, berechnet aber i. d. R. einen halben Arbeitstag.
Befüllung Schritt für Schritt: 1. Alle Kreise am Verteiler schließen außer Kreis 1. 2. Kugelhahn langsam öffnen, Kreis befüllen bis Wasser am Entlüfter blasenfrei austritt. 3. Entlüfter schließen. 4. Nächsten Kreis öffnen, wiederholen. 5. Alle Kreise offen: Systemdruck auf 1,5–2 bar einstellen. Wichtig: nie schnell befüllen — eingeschlossene Luft führt zu Geräuschen (Gluckern) und ungleichmäßiger Erwärmung.
Druckabfall > 0,1 bar in 30 Minuten bedeutet: es gibt eine Undichtigkeit. Vorgehen: Alle Gewindeanschlüsse an Kugelhähnen und Verteileranschlüssen mit Lecksucherspray prüfen. Häufigste Ursache: ungenügend gewickeltes PTFE-Dichtband. Abhilfe: Verschraubung lösen, Dichtband neu wickeln (12+ Lagen), wieder festziehen. FBH-Rohre selbst: Undichtigkeit durch Knicken oder Quetschen entsteht meist beim Verlegen, nicht beim Anschluss.
Bei Erstinbetriebnahme: max. 25 °C Vorlauf für 3 Tage (Einbrennphase des Estrichs vermeiden — gilt nur für Neubau). Danach schrittweise auf Betriebstemperatur erhöhen. Betriebstemperatur: Wärmepumpe 30–40 °C, Gasheizung 45–55 °C. Nachtabsenkung bei FBH maximal 3–4 °C — zu starke Absenkung kostet mehr Energie als sie spart, weil die Aufheizdauer zu lang wird.
Beschriftung ist keine Pflicht, aber dringend empfohlen — spätestens beim hydraulischen Abgleich oder bei der Fehlersuche werden Sie froh sein. Standard: Metallschilder oder Klebeband-Etiketten am Verteiler, z. B. 'WZ' (Wohnzimmer), 'SZ' (Schlafzimmer), 'B1' (Bad EG). Zusätzlich: Skizze der Kreisverlegung fotografieren und mit dem Verteilerplan in den Haustechnik-Ordner legen.

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